09.02.2026 09:00Als Erich Honecker, der damalige Staats- und Parteivorsitzende der DDR, am 19. Januar 1989 vor dem Thomas-Müntzer-Komitee erklärte, die Mauer werde „auch in 100 Jahren noch bestehen“, vermittelte die politische Lage den Eindruck, als sei der Eiserne Vorhang auf absehbare Zeit ein unverrückbarer Bestandteil des Berliner Stadtbildes und des übrigen in Ost und West geteilten Europas.
Bis im November desselben Jahres ein Mitglied des SED-Politbüros, Günter Schabowski, in einer Pressekonferenz eher beiläufig und etwas missverständlich verkündete, dass „Privatreisen nach dem Ausland“ ab sofort und „ohne Vorliegen von Voraussetzungen“ beantragt werden könnten – ein Satz, der die Grenzanlagen binnen Minuten bedeutungslos machte und ein ganzes Land in eine bis dahin unbekannte Aufbruchs- und Feierlaune versetzte.
Titelbild: Checkpoint Charlie, Berlin. © B.M. / Mett Media
Heute, mehr als 35 Jahre nach den Ereignissen von 1989, sind die Berliner Barrieren aus Stacheldraht und Beton längst gefallen – fast so, als sei es nie anders gewesen.
Nichtsdestoweniger spiegelt sich in der modernen Hauptstadt auch weiterhin die Geschichte des ausgehenden 20. Jahrhunderts wider. Und – wie der einst Regierende Bürgermeister (2001-2014) von Berlin, Klaus Wowereit, zu sagen pflegte – „das ist auch gut so.“ Denn nur wo aktive Erinnerung an die Vergangenheit betrieben wird, kann auch eine verantwortungsvolle Zukunft entstehen.
Wer die Atmosphäre der einst geteilten Metropole nachempfinden möchte, kann ihr heute im Rahmen einer historischen Stadtrundfahrt unmittelbar begegnen. Denn nicht nur am Potsdamer Platz, in der Bernauer Straße, an der East Side Gallery (https://www.stiftung-berliner-mauer.de/de/east-side-gallery) oder am
Checkpoint Charlie lassen sich viele Relikte der jüngsten Geschichte ausfindig machen.
Auch abseits der stark frequentierten Orte Berlins lassen sich bis heute lebendige Spuren des Kalten Krieges entdecken: versteckte Wachtürme, Reste von Zäunen, Brachflächen und Lichttrassen sowie Anekdoten, die das Zerrissensein jener Zeit anschaulich machen.